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Antwerpens Akyazili beschwört den Kampfgeist in schweren Zeiten

Um die Entwicklung junger, lokaler Talente zu unterstützen, müssen Teams in der Basketball Champions League fünf eigene Nachwuchstalente auf dem Spielbogen melden (bei zehn oder weniger gemeldeten Spielern sind es nur vier Eigengewächse). Viele dieser Spieler werden als Top-Talente in ihren jeweiligen Ländern angesehen. Wir schauen in dieser Saison auf diese Spieler und ihren Fortschritt.

ANTWERPEN (Belgien) - Tätowierungen haben eine besondere Bedeutung für diejenigen, die sie tragen. Wenn für Thomas Akyazili schwere Zeiten anbrechen, schaut er an sich herunter und beschwört seinen Kampfgeist. Den linken Arm des Aufbauspielers ziert ein Bild eines Kriegers. 

Akyazili hat in seiner jungen Karriere schon viel durchgemacht. Und im Alter von 22 viele Highlights erlebt. Dazu gehört auch das Final Four der BCL im ersten Jahr der Teilnahme. 

"Es fühlt sich großartig an. Wir haben so hart gearbeitet und solch einen Erfolg mit dieser jungen Truppe zu erreichen fühlt sich schön an," so Akyazili, der in zehn BCL-Spielen 2.7 Punkte, 1.7 Rebounds und 1.0 Steals erzielt. "Niemand hat das von uns erwartet, was es umso schöner macht. Und wir wissen, dass im Final Four alles möglich ist. Ich freue mich, unsere europäische Saison auf dem Höhepunkt enden zu lassen."

 

Antwerpen überlebte eine schwere Gruppe C und schlug UCAM Murcia in der ersten, sowie Nizhny Novgorod in der zweiten Playoff-Runde. Darauf folgte der Zuschlag für die Ausrichtung des Final Four vom 3. bis 5. Mai. 

"Es ist verrückt, alles passierte so schnell. Vom Final Four haben wir nur geträumt und nun richten wir es aus," beschreibt Akyazili die Saison. "Es tut Belgien gut, das Final Four auszurichten. Hoffentlich wird das den belgischen Basketball auf die Landkarte schieben und mehr Aufmerksamkeit generieren."

Akyazili hat dafür gesorgt, dass Leute auf ihn aufmerksam werden. Er begann als Sechsjähriger mit dem Basketball in Antwerpen und war stets ein Fan der Giants.   

"Ich ging zu jedem Heimspiel," erinnert sich Akyazili, der sich mit 14 Jahren dem Klub anschloss. 

Harte Zeiten mit Belgien

Der Aufbauspieler gab 2013 sein in der Jugendnationalmannschaft bei der FIBA U16 EM und war drittbester Scorer mit 19.9 Punkten, 4.8 Rebounds und 2.2 Assists. Belgien verlor jedoch gegen Lettland und stieg in die Division B ab. Eine von vielen Erinnerungen im belgischen Trikot, die der Spielmacher gern vergessen würde. 

Ein weiterer Rückschlag ereignete sich im Sommer darauf, wo er bei der FIBA U18 EM 15.1 Punkte, 4.6 Rebounds und 4.1 Assists auflegte, mit Belgien allerdings nur Platz 15 erreichte und erneut abstieg. In 2015, bei der FIBA U20 EM schaffte er es ins Viertelfinale und belegte am Ende Platz acht. 

 

Der Abstieg ereignete sich erneut für Akyazili. Diesmal in 2016 bei der FIBA U20 EM, wo Belgien nach der Niederlage gegen Frankreich in die Division B musste. 

"Danke für die Erinnerung," sagt Akyazili in der Unterhaltung."Die Antwort ist aber ganz einfach; wir waren nicht gut genug. Wir hatten eine Menge Talent, fanden aber nicht zusammen und verloren gegen bessere Teams. Manchmal waren wir nur dankbar, in der Division A spielen zu dürfen, anstatt dort bleiben zu wollen."

Auch wenn Belgien nach oben strebt, so wurde der Aufstieg in keiner Altersklasse vollbracht. 

"Es ist schade, auf der anderen Seite habe ich immer alles gegeben," sagt Akyazili. "Hoffentlich schafft es ein Team bald, ich glaube an unser Vermögen."

Akyazili erlebte nicht nur mit der Nationalmannschaft schwere Zeiten. Er hatte mental mit sich zu kämpfen, bevor er seine Chance erhielt. 

Stärke eines Kriegers

Akyazilis linker Arm ist eine Kollektion an Tätowierungen beginnend an seiner Schulter, bis hinab zum Handgelenk. Das erste schafft er sich 2016 an, das bisher letzte ein Jahr später. 

"Ich war immer schon ein Fan; Leute sehen nur Symbole, dahinter verbergen sich aber ganze Geschichten," erklärt er. 

Akyazilis Lieblingsbild ist das eines Kriegers, gleichwohl sein letztes. 

"Es symbolisiert Härte und Kampfgeist, den meiner Mutter," erklärt er. 

In 2010, Akyazili war 13 Jahre alt, wurde seiner Mutter Krebs diagnostiziert. Sie kämpfte gegen die Krankheit an und war nach fünf Jahren krebsfrei. 

"Sie beklagte sich nie, kämpfte und sorgte dazu noch für meinen Bruder und mich. Immer wenn ich die Tätowierung sehe, erinnert mich dies an die schwere Zeit. Egal, welch schwere Zeit ich dann gerade durchmache, es sagt mir einfach weiter zu machen. Am Ende wird alles gut."

College Basketball

In 2015 entschied sich Akyazili, an die University of Colorado zu gehen. 

"Ich wollte aus meiner Komfortzone ausbrechen. Ich liebe College Basketball und nutzte die Chance, als sie da war," so Akyazili. "Die Begeisterung und Liebe für den Basketball in den USA war beeindruckend."

Seine erste Saison bei den Buffaloes war solide mit 3.7 Punkten, 1.6 Rebounds und 1.6 Assists. 

"Rückblickend hatte ich in meinem ersten Jahr viele Höhen und Tiefen. Spiele, die ich niemals vergessen werde. Ich spielte gegen Jungs, die nun in der NBA sind und jedes mal vor 10.000 Zuschauern zu spielen ist verrückt," erinnert sich der Point Guard, der unter anderem 10 Punkte gegen Washington State und 9 Punkte, 4 Rebounds und 3 Assists gegen Washington auflegte. 


Im ersten Jahr erreichte das Team das NCAA Turnier, verlor in der ersten Runde aber gegen Connecticut. 

"Es war ein komisches Spiel. Wir führten zur Halbzeit mit 15 und verloren," so Akyazili, der keinen Punkt erzielen konnte. "Um ehrlich zu sein wusste ich, dass es eine große Sache war, allerdings nicht, wie groß. Bis ich zurück zum Campus kam; jeder hatte das Spiel gesehen. Ich wünschte, wir hätten das Spiel gewonnen, doch Teil des March Madness zu sein ist unvergesslich."

Problematisches zweites Jahr

Akyazili konnte auf seinem ersten Jahr nicht aufbauen und schaute einige male auf seine Tätowierung herab.

"Nach dem ersten Jahr hatte ich hohe Erwartungen und es war mental schwer, nicht die Möglichkeiten zu erhalten, die ich dachte, verdienen zu würden."

Akyazili machte 8 Punkte und verteilte 6 Assists in seinem Auftaktspiel gegen Boulder. Das einzig gute Spiel in der Saison. Im ersten Jahr traf er nur 32 Prozent aus dem Feld. Im zweiten Jahr fielen diese Quoten weiter ab, unter anderem nur 1-von-21 aus der Distanz. 

"Zunächst dachte ich über einen Transfer nach, allerdings wollte ich kein Jahr aussetzen. Somit ging ich zurück nach Antwerpen," begründet Akyazili seine Entscheidung. "Ich entwickelte mich als Person, ohne Familie in einem anderen Land. Das kann mir niemand nehmen. Viele Leute denken, es war ein Fehler, rüber zu gehen. Ich würde es aber wieder machen."

 

Rückkehr nach Antwerpen

Nachdem Akyazili sich für eine Rückkehr nach Europa entschied, war die Wahl des Klubs eine leichte. 

"Es war für mich eine tolle Gelegenheit, mein Selbstvertrauen aufzubauen in einer bekannten Umgebung. Und ich war wieder bei meinen Freunden und meiner Familie," so Akyazili. 

Antwerpen Headcoach Roel Moors war früher Akyazilis Mitspieler 

Ein Unterschied zu seiner ersten Zeit in Antwerpen war seine Beziehung zu Roel Moors, der in 2015 noch sein Mitspieler und nun sein Trainer war. 

"Das war zu Beginn schon merkwürdig. Ich erinnerte mich an unsere gemeinsame Zeit auf dem Parkett, er scherzte viel herum. Unsere Beziehung ist nun etwas anders," so Akyazili. 

Zu Beginn seiner Profikarriere musste Akyazili sich einer Rückenoperation unterziehen und konnte bis Oktober 2017 nicht spielen.

"Die längsten Monate meines Lebens, ich habe jede Sekunde verflucht. Nun bin ich aber zurück auf dem Feld, mit meinen Mitspielern. Ich nehme nichts mehr als gegeben hin. Zeit, meinen Rhythmus wiederzufinden und zu alter Stärke zurückzufinden," schrieb Akyazili auf Facebook. 

Er verpasste die FIBA EuroBasket 2017, zeigte nach seiner Rückkehr allerdings viel Hoffnung und wurde zum Rising Star of the Year in Belgien gewählt. .

Er erzielte im Schnitt 6.4 Punkte, 2.2 Rebounds und 2.7 Assists.


In 2017-18 gab er sein Debüt in der Nationalmannschaft bei der Qualifikation zur EM. 

"Das hat mir viel bedeutet und sah es als Belohnung für meine harte Arbeit an. Wir verloren das Spiel, ich war aber glücklich, dass mit der Coach die Möglichkeit gab, zu spielen," erinnert sich Akyazili an das Spiel gegen Bosnien. 

Gegen Island, im Februar diesen Jahres, starte er sogar in der FIBA EuroBasket 2012 Vor-Qualifikation. 

"I enjoyed it a lot and I hope this is just the beginning for what the future holds," he said.

Mehr Verletzungen

Akyazili blieb nicht verletzungsfrei und hatte in 17/18 einen weiteren Eingriff am Rücken. Dann spielte er fünf oder sechs Wochen und brach sich den Finger, was eine Pause von sechs Wochen nach sich zog. 

Wieder schaute er auf den Krieger auf seinem Arm. Einfach kämpfen, es wird besser. Was auch passierte. 

"Meine Mentalität ist, einfach das zu tun, was von mir benötigt wird. Das Team war gut drauf und ich wollte Teil davon sein. Defense spielen, meinen Mitspielern freie Würfe ermöglichen und mit viel Energie spielen," beschreibt Akyazili sich. 

Im März besiegte Antwerpen Filou Oostende und gewann den belgischen Pokal. Zum ersten mal seit 2006-07. 

"Es fühlte sich so gut an. Vergangenes Jahr verloren wir im Finale gegen Oostende. Das war unsere Revanche," so Akyazili. "Nach meiner Karriere werde ich nicht mehr wissen, wie viele Punkte oder Assists ich hatte. Den Pokalsieg werden ich hingegen nicht vergessen."

Antwerpen ist als junges Team bekannt. Kein Spieler ist älter als 27 Jahre. Was aber nicht heißt, dass Akyazili & Co. unerfahren sind. 

"Vergangenes Jahr verloren wir im Finale, woran wir uns noch heute erinnern und daraus gelernt haben. Dieses Jahr holten wir den Pokal, dank unserer Erfahrung," sagt Akyazili im Hinblick auf das Final Four. "Wir müssen mit viel Herz und Energie auftreten, an uns glauben und dann passiert etwas gutes."

Akyazili ist überzeugt, dass der Heimvorteil helfen wird. 

"Es kann ein immenser Vorteil für uns sein. Die Halle wird ausverkauft sein und wir können von der Energie zehren," glaubt er. 

Die Trophäe wäre für Akyazili das Highlight.  

"In der eigenen Stadt zu gewinnen wäre einmalig. Davon habe ich vor sechs Monaten nicht mal geträumt."

Seither schaute er oft an sich herunter. Nun an den Erfolg zu glauben, ist okay. 


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David Hein

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