08 Oktober, 2019
03 Mai, 2020
23/01/2020
David Hein's Champions League Home Grown
zu lesen

Weidemann findet beim dritten Anlauf mit Deutschlands "Big B's" den Erfolg

Um die Entwicklung junger, lokaler Talente zu unterstützen, müssen Teams in der Basketball Champions League fünf eigene Nachwuchstalente auf dem Spielbogen melden (bei zehn oder weniger gemeldeten Spielern sind es nur vier Eigengewächse). Viele dieser Spieler werden als Top-Talente in ihren jeweiligen Ländern angesehen. Wir schauen in dieser Saison auf diese Spieler und ihren Fortschritt.

BAMBERG (Deutschland) - Nelson Weidemann spielte in seiner jungen Karriere schon für alle drei großen "B's" der Basketball Bundesliga. Im dritten Anlauf bei Brose Bamberg findet er nun den Erfolg.

Weidemann verletzte sich nach neun Spielen in der Basketball Champions League am rechten Knöchel. Der 20-Jährige ließ bis dahin das Potential aufblitzen, das ihm einen Platz bei ALBA Berlin, Bayern München und nun Brose Bamberg einbrachte. Weidemann erzielt 2.4 Punkte, 0.4 Rebounds, 1.0 Assists und 0.6 Steals in 9.0 Minuten in der BCL, sowie 5.0, 0.7 und 1.2 Assists in der BBL.


Die BCL beeindruckt Weidemann, die neu für ihn ist, nachdem er mit Berlin und München Erfahrung im EuroCup und der EuroLeague sammelte.  

"In der BCL zu spielen ist anders. Ich habe die Liga nicht aktiv verfolgt und bin sehr an den Teams hier interessiert. Es gibt so viele gute Spieler in der BCL, die ich vorher noch gar nicht kannte", gibt Weidemann zu. 


Der schwierigste Aspekt seien die Reisen. 

"Zum ersten Mal reise ich so weit für 40 Minuten Basketball", so der Youngster, der bereits auswärts in Nymburk, Gaziantep, Riga, Teneriffa und bei Nizhny Novgorod antrat.

Ärger vermeiden

Weidemann wuchs in Berlin auf.  

"Ich fing mit dem Basketball an, da direkt nebenan ein Streetball-Platz war und mein Cousin und meine Mama immer schon Fans des Sports waren", verrät Weidemann, der 2007 zum ersten Man den Ball in die Hand nahm. "Auch die Max-Schmeling-Halle war gleich um die Ecke. ALBA spielte da ja damals. Ich war immer aufgeregt, wenn die Albatrosse zuhause spielten."

Weidemann lebte im Wedding, nördlich vom Stadtteil Mitte, ein durchmischter Bezirk, der mit Kriminalität zu kämpfen hat. Der Basketball half ihm, Problemen aus dem Weg zu gehen. 

Nelson Weidemann (Bamberg)

"Der Basketball hat mich immer vom Ärger ferngehalten. Ich habe die Kriminalität gar nicht so mitbekommen, es war aber nicht immer einfach", so Weidemann. 

Sein Cousin Bill Borekambi war ein großer positiver Einfluss, so der Youngster. 

"Er inspirierte mich mit seiner Arbeitseinstellung. Wir verbrachten viel Zeit miteinander auf dem Freiplatz. Er brachte mir bei, stets hart zu arbeiten, um besser zu werden", erinnert sich Weidemann. Borekambi spielte über zehn Jahre in der 2. und 3. Liga. 

Das Zuhause verlassen

Weidemann spielte 2013 beim Jugendteam von ALBA Berlin und bewies sein Talent. 2015 lief er bei der FIBA U16 EM für Deutschland auf, sowie für das JBBL-Team des Klubs. In der Zeit hatte er jedoch das Gefühl, weiterziehen zu müssen.

"Ich wollte einfach besser werden und auf einem höheren Level spielen. Berlin war zu diesem Zeitpunkt nicht die richtige Situation für mich. Es war aber schwer, wegzugehen. In den ersten Wochen hatte ich Heimweh. Ich unterschätzte es, von meiner Familie und meinen Freunden getrennt zu sein. Am Ende machte mich das aber mental stärker", so Weidemann, der nach Nürnberg wechselte. 

Weidemann war nicht ganz allein - trotz 400 km Entfernung von Berlin. Sein Cousin spielte beim ProA-Klub.  

"Er hatte ein Auge auf mich und sorgte dafür, dass ich zur Schule gehe, richtig esse und hart arbeite."

Durchbruch 2016

Weidemanns 2016 war der Durchbruch. Im Februar spielte er für den FC Bayern beim U18 ANGT in Belgrad als Gastspieler und legte 17.5 Punkte, 7.5 Rebounds, 3.0 Assists und 1.3 Steals auf.

 
Einen Monat später verhalf er Deutschland zum Gewinn des Albert Schweitzer Turniers in Mannheim. 

"Es war ein tolles Gefühl, wir wussten, dass wir Chancen hatten. Daher kam es nicht ganz überraschend, da wir ein großartiges Team zusammen hatten", so Weidemann, der mit Philipp Herkenhoff, Louis Olinde, Richard Freudenberg, Kostja Mushidi und Lars Lagerpusch den ersten Titel holte.


Vom Gast zum leben des Traums

Im August 2016 nahm Weidemann den nächsten Schritt und wechselte von Nürnberg nach München zu den Bayern. 

"Ich spielte ja für sie im ANGT und es fühlte sich einfach richtig an" sagt er. "Als ich im Sommer also eine Entscheidung treffen musste, fiel diese auf München. Und um ehrlich zu sein war es ein Traum, für die Bayern zu spielen."


Weidemann spielte beim Basketball Without Borders European Camp in Finnland im September. Im Dezember erreichte er mit Deutschland das Halbfinale der
 FIBA U18 EM und wurde Vierter. 

"Wie beim AST wussten wir, wie gut unser Team ist", so Weidemann. "Es war nicht enttäuschend, nur Vierter zu werden, da wir uns damit für die FIBA U19 WM in Ägypten qualifizierten."

Mehr Erfolg: MVP bei der U19 WM


Der Erfolg ging in 2017 weiter. Mit den Bayern holte Weidemann die Meisterschaft in NBBL U19 und wurde zum MVP gewählt. Im Sommer wurde er mit Deutschland Fünfter bei der U19 WM. 

"Wir setzten uns das Ziel, wettbewerbsfähig zu sein und machten einen guten Job", so Weidemann, der  5.0 Punkte, 3.6 Rebounds und 2.9 Assists auflegte.


Das Viertelfinale - die 81:59-Niederlage gegen die USA - stach heraus. Acht Spieler sind mittlerweile in der NBA.

"Ich erinnere mich noch an dieses Spiel, es war frustrierend, da ich nicht gut spielte", gibt er zu. 0 Punkte, 4 Rebounds und 1 Steal standen nach 18 Minuten zu buche. "Es motiviert mich aber, noch härter zu arbeiten. Es war eine tolle Erfahrung, gegen diese Jungs zu spielen."

Erste EM-Medaille seit 35 Jahren

Beim nächsten Auftritt in der Nationalmannschaft schrieb Weidemann Geschichte. In Chemnitz wurde er Dritter der FIBA U20 EM 2018. Es war die erste Medaille des Landes bei einer U20 EM seit 1983. 


"Das Turnier war etwas frustrierend, da viele Leute, wie auch wir, erwarteten, dass wir gewinnen. Am Ende war es ein besonderer Moment, auch wenn wir kein Gold holten" so Weidemann.

Es war zudem ein großer Fortschritt für die Jugendabteilung selbst, die mehr und mehr Talente entwickelt.

"Das war wichtig. Wir zeigten, dass Deutschland in die richtige Richtung geht und die Zukunft positiv ist", so Weidemann. 

BBL-Debüt

Am 17. März 2019 gab Weidemann sein BBL-Debüt im Spiel der Bayern gegen den MBC.  

"Es fühlte sich merkwürdig, aber auch genugtuend an, endlich in der BBL zu spielen", sagt Weidemann, der 2 Punkte, 2 Rebounds, 1 Assist und 1 Steal auflegte. "Ich erlebte damit einen lang gehegten Traum: Für die Bayern in der Bundesliga spielen. Ich konnte es erst gar nicht fassen."

Weidemann spielte drei Partien in der BBL. 

 

Dasd dritte B

In 2019 arbeitete Weidemann an seiner Physis. Seine berufliche Lage änderte sich auch. Am 28. Juli 2019 wechselte er ausgeliehen für zwei Jahre zu Brose Bamberg. Im dritten haben die Franken die Kaufoption. 


"Ich wusste, dass ich Bayern im Sommer verlasse und wartete auf das richtige Team. Als Bamberg anklopfte, war es keine Frage, dorthin zu gehen", so Weidemann. 

Er ist der siebte Spieler, der für alle drei großen Bs, Berlin, Bamberg und Bayern aufläuft. Unter anderem ist sein Teamkollege Bryce Taylor einer von ihnen.

"Jeder ist sehr professionell hier. Die Umgebung begünstigt, dass wir Spieler uns verbessern können. Es ist etwas besonderes für mich, für diesen Traditionsverein zu spielen." 

 

Verdiente Belohnung

Weidemann schließt sich Bamberg in Zeiten des Umbruchs an. Headcoach Roel Moors kam im Sommer von den Telenet Giants Antwerpen und erreichte das BCL Final Four in 2019. Moors verriet Weidemann, dass er Spielzeit erhalten würde, wenn er es denn verdiene. 


"Er sagte mir im Sommer, dass er mir Spielzeit geben würde wenn ich ihm beweise, dass ich sie verdiene. Darauf habe ich mich fokussiert und alles kam von selbst", so Weidemann. "Ich bin glücklich aber noch nicht zufrieden mit der Saison. Für mich läuft es gut, da ich merke, dass ich auf einem hohen Niveau mithalten kann. Es ist aber noch nicht das Niveau, auf dem ich mal spielen will."

Weidemann hofft, dass das nächste große B ihn auf die ganz große Bühne bringt. 

David Hein

David Hein

Walk into the media tribune of any major basketball event and there's a good chance you will come across David Hein. Having covered dozens of FIBA events, including numerous women's and youth events, there are few players Dave doesn't know about, and few players who don't know him. His sporting curiosity means he is always looking to unearth something new and a little bit special. David Hein's Champions League Home Grown is a weekly column digging out the freshest basketball talent in the competition and assessing what the basketball landscape will look like a couple of years down the line.