08 Oktober, 2019
03 Mai, 2020
27/03/2020
David Hein's Champions League Home Grown
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Krejci tankt Selbstvertrauen dank Zaragoza und der tschechischen Nationalmannschaft

Um die Entwicklung junger, lokaler Talente zu unterstützen, müssen Teams in der Basketball Champions League fünf eigene Nachwuchstalente auf dem Spielbogen melden (bei zehn oder weniger gemeldeten Spielern sind es nur vier Eigengewächse). Viele dieser Spieler werden als Top-Talente in ihren jeweiligen Ländern angesehen. Wir schauen in dieser Saison auf diese Spieler und ihren Fortschritt.

ZARAGOZA (Spanien) - Damit ein Talent sich zu einem etablierten Spieler entwickelt, muss er an seinem Handwerk arbeiten und darüberhinaus von den Veteranen in seinem Team lernen wollen. Vit Krejci ist dies bewusst. Er ist in dieser Saison gewachsen. Und dies könnte sich sowohl für Casademont Zaragoza, als auch die Nationalmannschaft Tschechiens bald auszahlen. 

Krejci wird am 19. Juni 20 Jahre alt und hat schon jetzt einige Male gezeigt, warum er eines der vielversprechendsten Talente in der Basketball Champions League ist.

Krejci hat in 13 von 16 BCL-Partien für Zaragoza gespielt und im Schnitt 2.4 Punkte, 1.5 Rebounds und 0.8 Assists in 9.9 Minuten aufgelegt. Sein Highlight war am 11. Spieltag zuhause gegen Neptunas Klaipeda, wo er 25 Minuten ran durfte und 9 Punkte, 1 Rebound und 5 Assists auflegte - Bestwerte in Punkten und Assists.


"Jedes Mal wenn ich auf dem Feld stehe genieße ich jeden Moment. Und wenn es gut läuft, macht mich das noch glücklicher. Dieses Spiel hat mir viel Selbstvertrauen gegeben, da auch mein Coach mir vertraut hat", so Krejci, der beim 86:70-Sieg neun Würfe nahm.  

Selbstvertrauen ist ein wichtiges Wort für Krejci, der seine erste volle Profisaison mit Zaragoza spielt, nachdem er im Sommer einen Dreijahresvertrag unterschrieb.    

"Coach (Porfirio Fisac) hat mir klar gemacht, was er von mir erwartet und ich versuche dies umzusetzen, da es meine einzige Chance auf Spielzeit ist. Es gab keinen Druck, viele Punkte erzielen zu müssen - ich sollte einfach aggressiv und ohne Angst spielen", erinnert sich Krejci, der im Juli unterschrieb. 

Die Basketball Champions League ist eine gute Bühne für Krejci, der auf Guards wie David Holston, Branden Frazier, Jordan Theodore, Bobby Brown und Adrian Banks traf.

"Es ist schon verrückt. Vergangenen Sommer spielte ich mit der Natio gegen einige NBA-Spieler. Und nun jede Woche auf einem hohen Niveau zu spielen gibt mir eine Menge Erfahrung." sagt er.

Alles in allem ist Krejci mit seiner ersten Profisaison zufrieden. 

"Ich bin sehr glücklich darüber, wie alles für mich lief. Ich liebe die Stadt und finde, wir haben mit die besten Fans in Europa. Sie behandeln mich wie einen Einheimischen, was sich wie zuhause anfühlt." 

Eine Heimat weit weg von zuhause

Zaragoza, im Norden Spaniens gelegen, ist seit 2004 die Heimat von Vit Krejci. Mit 14 verließ er seine Geburtsstadt Strakonice in der Tschechischen Republik.

"Ich war sehr jung, hörte das Wort Spanien zum ersten Mal und wusste, das ich da hin wollte. Mir war nicht bewusst, wie groß die Veränderung ist und als ich in Zaragoza ankam, traf es mich. Ich realisierte, dass es nicht so einfach werden würde. Dennoch wollte ich an meiner Entscheidung nichts ändern", erinnert sich Krejci.

Der Basketball war immer Teil der Familie Krejci. Sein Vater Vit spielte in Strakonice, seine Schwester Jolana Krejcova, die 1996 geboren wurde und vier Jahre älter ist, spielte für die Jugendauswahl Tschechiens, unter anderem bei der FIBA U18 EM 2014 und begann dann ihren Beruf als Krankenschwester.

Ein Landsmann unterstützt

Krejci zog mit 14 in eine neues Land und fand Unterstützung. Sein Mitspieler Simon Pursl war bereits zwei Jahre in Zaragaoza und zu damaliger Zeit 16 Jahre alt. 

"Simon half mir sehr. Er kannte Zaragoza schon und half mir, Leute kennenzulernen, die Sprache zu lernen und zeigte mir die Stadt", sagt Krejci über Pursl, der in 2017 zurück nach Tschechien ging und in der nationalen Liga NBL spielt.  

Auch seine Mutter war eine große Stütze: "Meine Mama war im ersten Jahr hier bei mir und ich kann ihr gar nicht genug dafür danken, dass sie unsere Heimat verlassen hat, damit ich meinen Traum leben kann."

Sein Traum begann bei einem Klub, der in den vergangenen Jahren einige gute Talente hervorgebracht hat, darunter Carlos Alocen, Sergi Garcia, Aitor Etxeguren und 2003 geborenen Dänen Gustav Knudsen.


"I denke Zaragoza hat seit Jahren eines der besten jungen Teams, jeder kann die Ergebnisse sehen und viele Talente aus ganz Europa wollen es hier versuchen", so Krejci.

Der erste Höhepunkt mit seinem neuen Klub kam am 5. März 2017, als der Youngster im Kader gegen Fuenlabrada stand. Krejci spielte 14 Sekunden und gab mit 16 Jahren und 8 Monaten sein ACB-Debüt. Mit Sergi Garcia und hinter Alocen der zweitjüngste Akteur.

"Ich spielte am Sonnabend mit dem B-Team. Nach der Partie sagte mir der Trainer, dass ich am nächsten Morgen mit dem ersten Team nach Madrid reisen werde. Das war ein tolles Gefühl. Ich war so aufgeregt, auf dem Feld zu stehen", so Krejci.

Sein zweiter Auftritt folgte erst in der Saison 2018-19. Dennoch lernte Krejci in dieser Zeit in Trainings mit den Profis sehr viel. Vor allem von Gary Neal, der die ACB in 17-18 im Scoring anführte. 

 


"Seine Arbeitseinstellung. Vor jedem Training jeden Tag an seinem Wurf und seinem Spiel zu arbeiten", so Krejci, der in 2018-19 zwei Spiele absolvierte.

Debüt in der Nationalmannschaft

Im Februar 2019 gab Krejci sein Debüt in der tschechischen Nationalmannschaft beim FIBA Basketball WM 2019 Qualifikationsspiel gegen Bosnien und Herzegovina sowie Frankreich.

Vit Krejci (r.)

"Ich war vor dem Spiel nervös, mit jeder Minute auf dem Parkett fühlte ich mich aber wohler und am Ende war es ein tolles Spiel", sagt Krejci über das Spiel gegen Bosnien, in dem er in 5 Minuten 1 Rebound und 1 Assist verzeichnete.

"14 Familienmitglieder waren beim Spiel. Sie zu sehen, als ich auf's Feld kam, hat mir Energie und Selbstvertrauen gegeben."

Da ist das Wort wieder - Selbstvertrauen.

 

Krejci machte in Frankreich 1 Punkt, 6 Rebounds, 1 Assist und 1 Steal in 15 Minuten. 

Und was rieten ihm seine erfahrenen Mitspieler vor der Partie? "Einfach mein Spiel spielen, nichts überstürzen, aggressiv sein und keine Angst haben", verrät er. 

Der große Sommer 2019

Krejci nutzte diese Erfahrung im Sommer 2019. Im Juli landete er mit Tschechien auf Platz zwei bei der FIBA U20 EM und stieg damit zum ersten Mal seit 2017 wieder in die die Division A auf.

"Das war das beste Gefühl. Ich habe solange in der Division B gespielt und aufzusteigen war fantastisch. Und da meine Mitspieler alle ein Jahr älter sind als ich, kann ich diesen Sommer auch in der A spielen", so Krejci, der in die  All-Star Five des U20 Turniers gewählt wurde und 14.9 Punkte, 5.1 Rebounds, 5.1 Assists, 1.6 Steals und 1.1 Blocks erzielte.

 


Krejci wurde anschließend ins Trainingscamp der Nationalmannschaft eingeladen, die sich auf die FIBA Basketball WM 2019 in China vorbereitete.

"Das war mit die beste Zeit meines Lebens. Jeden Tag mit unseren besten Spielern trainieren und viele gute Spiele absolvieren", so Krejci, der sein Duell mit Deutschlands Dennis Schröder als Highlight sieht. 

Krejci profitierte jeden Tag zudem von Star Tomas Satoransky.


"Ich habe versucht, so oft es geht gegen ihn zu spielen und es war eine gute Lehre", sagt er.  

Satoransky und Krejci werden oft verglichen.

"Das ist normal und ein tolles Gefühl für mich. Er ist der beste Spieler unseres Landes, somit ist es eine Ehre, aber auch Druck. Doch ich glaube ich habe die Anlagen um sein Level zu erreichen - und sogar noch besser zu werden", sagt Krejci mutig.

Krejci schaffte es am Ende nicht in den finalen Kader von Headcoach Ronen Ginzburg, was nicht einfach war zu akzeptieren.

"Das war schwer für mich, denn ich hatte das Gefühl, dass ich es verdient habe. Doch ich respektierte die Entscheidung und bin froh, dass ich eine Zeit lang Teil des Teams sein durfte", gibt er zu. 

Krejci fieberte am TV mit, wie Tschechien spektakulär Sechster in China wurde. 

"Basketball war in Tschechien lange Zeit keine große Sache. Durch die WM ist die Popularität des Sports aber rapide gewachsen", sagt Krejci.


Die Quelle der Motivation

Nicht in China dabei sein zu können motivierte Krejci, als er nach Zaragoza zurückkehrte.

"Zurückblickend hat mich das sehr motiviert, da ich nicht möchte, dass das noch mal passiert", sagt er. 

Krejci zeigte sein Können in den FIBA Länderspielfenstern im Februar 2020, wo sich Tschechien als Mitgastgeber für die FIBA EuroBasket 2021 qualifizierte.

"Auch wenn wir bereits fest im Turnier dabei sind wollten wir diese Spiele dennoch gewinnen. Ich dachte nicht, dass ich viele Minuten spielen werde, doch es fühlte sich toll an und ich zeigte dem Trainer, dass er auch mich setzen kann", sagt Krejci der in 21 Minuten 5.5 Punkte, 3.5 Rebounds und 3.5 Assists gegen Dänemark und Litauen auflegte.


Er weiß, dass seine Rolle bei der EuroBasket 2021 eine andere sein wird, da das Team wohl wieder mit dem Kern des WM-Teams auflaufen wird. 

"Ich weiß dass ich noch viel arbeiten muss und dass ich nicht erwarten kann, die selbe Rolle zu haben, wie in der Quali. Ich muss weiter trainieren und dem Trainer zeigen, dass ich konstant gut spielen kann."

Die Spiele gegen Dänemark und Litauen verliehen Krejci dennoch etwas sehr wertvolles.

"Viel Selbstvertrauen … wenn ich hier in Zaragoza lange nicht spiele, verliere ich Selbstvertrauen. Das habe ich in den Spielen aber wieder getankt."

Konstanz und Selbstvertrauen sind die beiden wichtigsten Dinge, die Krejci in dieser Saison gelernt hat - was ihn am Ende zu einem Führungsspieler wachsen lassen kann. In der Nationalmannschaft und in Zaragoza.

David Hein

David Hein

Walk into the media tribune of any major basketball event and there's a good chance you will come across David Hein. Having covered dozens of FIBA events, including numerous women's and youth events, there are few players Dave doesn't know about, and few players who don't know him. His sporting curiosity means he is always looking to unearth something new and a little bit special. David Hein's Champions League Home Grown is a weekly column digging out the freshest basketball talent in the competition and assessing what the basketball landscape will look like a couple of years down the line.